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Sichere Strassen retten Leben

Stansstad 1967: Die Bilder des Innerschweizer Fotografen Arnold Odermatt hängen heute in namhaften Museen.
©Urs Odermatt, Windisch / 2021, ProLitteris , Zürich

Die Schweizer Strassen gehören zu den sichersten der Welt und werden immer sicherer. Die Zahl der Schwerverletzten und Verkehrstoten sank innerhalb der letzten 50 Jahre massiv. Dies, obwohl der Verkehr in dieser Zeit enorm anstieg. der asphaltprofi beleuchtet die Gründe.

1971 war der tragische Höhepunkt des Unfallgeschehens. Damals starben bei fast 30’000 Unfällen 1773 Personen. Im Jahr 2020 waren es noch 227 Todesopfer. Die Gründe für die Verbesserung der Sicherheit auf den Schweizer Strassen seien vielfältig, erklärt Roland Allenbach, Leiter Forschung Strassenverkehr bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU: «Zum einen gab es in den 70er-Jahren noch keine geregelte Höchstgeschwindigkeit. Tempo 50 innerorts wurde erst Anfang der 80er-Jahre eingeführt. Fünf Jahre später folgten die Limiten 120 auf der Autobahn und Tempo 80 ausserorts. Zweitens waren die Autos weit weniger sicher. Es galt zum Beispiel noch keine Gurtpflicht.»

Autobahnen: schnell und sicher

Autobahnen gelten als sichere Strassen. Vor fünf Jahrzehnten gab es weit weniger Autobahnen als heute. Deshalb waren die Leute viel ausserorts unterwegs. Also dort, wo die meisten tödlichen Unfälle passieren. Auch das Rettungswesen funktionierte schlechter. «Leute, die früher am Unfallort gestorben wären, werden heute gerettet», sagt Allenbach.

Ein weiterer Faktor: «Fussgänger und Leute auf den Velos waren schlechter geschützt. Es gab deutlich weniger Trottoirs und Velowege. Helme wurden kaum getragen.», so Roland Allenbach weiter.

«Heute gibt es pro gefahrenen Kilometer zehnmal weniger Schwerverletzte oder Tote als vor 50 Jahren.»

Roland Allenbach, Leiter Forschung Strassenverkehr BFU

Mehr Verkehr und weniger Unfälle

In den letzten Jahrzehnten hat der Verkehr um das Zweieinhalbfache zugenommen. Heute sind somit weit mehr Leute in der Schweiz unterwegs als vor 50 Jahren – oft auch über längere Distanzen. Eindrücklich ist die Verkehrsunfallstatistik in Bezug auf die gefahrenen Kilometer. Roland Allenbach: «Heute gibt es pro gefahrenen Kilometer zehnmal weniger Schwerverletzte oder Tote als vor 50 Jahren.»

Verunfallte 2020

  • Zu Fuss: 1644
  • Auf dem Velo: 5327
  • Auf dem Motorrad: 3565
  • Im Personenwagen: 7605

 

Quelle: ASTRA,
Verkehrsunfallstatistik 2020

Innerorts: am meisten Unfalle

Ausserorts: die schwersten Unfalle

Autobahn: die sicherste Strasse

Sicherheit dank moderner Technik

Meistens sind es menschliche Gründe, die zu Unfällen führen: zu hohe Geschwindigkeit, Alkohol am Steuer, Unachtsamkeit oder Ablenkung. Wenn die Autos selbst fahren, fallen diese Risikofaktoren weg. Professor Dr. Andreas Herrmann forscht am Institute for Mobility an der Universität St.Gallen zum Thema autonomes Fahren. Er sieht voraus, dass der Strassenverkehr in Zukunft von autonom gesteuerten Fahrzeugen dominiert werden wird. Dann wird die Strasse gemäss Andreas Herrmann klar sicherer sein, eben weil menschliche Fehler wegfallen. «Bis in 20 Jahren dürfte es in den Innenstädten keine privaten Autos mehr geben, die selbst gesteuert werden. Es sind dann autonome Fahrzeuge, die den Transport in der Innenstadt bewältigen.»

Gute Strassen sorgen für Sicherheit

Auf Schweizer Strassen sind defekte Stellen oder gefährliche Fahrrinnen selten. Die Strassenbeläge sind auf die Nutzung abgestimmt, und der Unterhalt der Strassen funktioniert. Auch diesem Faktor ist der Rückgang der Verkehrstoten in den letzten fünf Jahrzehnten zu verdanken. «Die Schweizer Strassen sind so gut und gemäss den Normen gebaut, dass sie fast nie Ursache sind für Unfälle», sagt der BFU-Fachmann Roland Allenbach.

Roland Allenbach, Ing. ETH, Leiter Forschung Strassenverkehr bei der Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU

Facts zum Strassenverkehr

Viertausend Millionen

Strassenunfälle verursachen pro Jahr vier Milliarden Franken an materiellen Kosten. Dies vor allem für medizinische Behandlungen, die angerichteten Sachschäden und den Produktionsausfall wegen Absenz am Arbeitsplatz.

Pro Strassenverkehrsopfer – verletzt oder getötet – entstehen also durchschnittliche Kosten von 55’000 Franken.

Verlorene Lebensjahre

Jedes Jahr gehen wegen Verkehrsunfällen 6600 potentielle Lebensjahre verloren. Dies, weil Strassenverkehrsopfer in der Regel eher jung sind.

Bei den Männern fordert die frühzeitige Mortalität durchschnittlich 24 verlorene Lebensjahre, bei den Frauen sind es 17.

Ein ähnlicher Wert wird durch Suizid erreicht.

Sicherheitsgraben

In der Romandie liegt die Anzahl der Getöteten pro 100’000 Einwohnern leicht höher als in der Deutschschweiz und im Tessin. Schwere Alkoholunfälle passieren in der Romandie am häufigsten, in der Deutschschweiz am seltensten. Schwere Geschwindigkeitsunfälle kommen in der Westschweiz am häufigsten vor, im Tessin am wenigsten.