Recycling von Asphalt ist insbesondere aus ökologischer Sicht hochinteressant.

Neues ­Leben
für alten ­Asphalt

Zahlen und Fakten zur Anlage:

250 t/h Kapazität Altasphalt

Kapazität (Altasphalt)

Von wenigen Milimetern bis ca. 22 mm reichen die Endkörnungen der Mineralien nach der Wiederaufbereitung.

Endkörnungen der Mineralien

2500 Tonnen Fassungsvermögen

Fassungsvermögen

Die Gesamtlänge aller Förderbänder beträgt 336 Meter.

Gesamlänge Förderbänder

Die Anlage wiegt 487 Tonnen.

Anlagengewicht

Die Entstaubungsleistung beträgt 25'000 Kubikmeter pro Stunde.

Entstaubungsleistung

In der Schweiz lagern Berge von altem Asphalt. Die MOAG erstellt in ihrem Werk Mörschwil eine Recyclinganlage, die eine weitreichende Rückgewinnung der Rohstoffe aus ausgedientem Asphalt möglich macht.

Text: Urs-Peter Zwingli

Experten schätzen, dass beim Aufbrechen von Strassen und Belägen schweiz­weit jährlich 2,5 Millionen Tonnen Ausbauasphalt zusammenkommen. Darin sind immense Mengen Sand, Bitumen und Mineralien gespeichert. Die MOAG will diese Rohstoffe noch besser wie­der­verwerten als bisher. Sie erstellt deshalb bis Ende 2020 in ihrem Werk in Mörschwil eine Asphaltbrech- und -siebanlage der neuesten Generation.

«Diese Anlage kann bis zu 100 Prozent der sekundären Rohstoffe aus dem Ausbauasphalt zurückgewinnen», sagt Mario Schweizer, Regional-Vertriebsleiter für die Firma SBM Mineral Processing GmbH aus dem österreichischen Oberweis.

Die Firma hat die Anlage entwickelt. «Die Rückgewinnung erfolgt zudem rein mechanisch, das heisst ohne Zugabe von Wärme oder Chemikalien», sagt Schweizer. Der vorgebrochene Ausbauasphalt wird in der Brech- und Sieb­anlage in einer Drehbewegung auf hohe Geschwindigkeiten beschleunigt.

Dabei wird durch Reibung auf einem Materialgutbett – eine Art Schleiffläche – das Gestein vom Bitumen-Sand-Gemisch getrennt. Eine Einhausung sowie eine ­Entstaubungsanlage neutralisieren die Staub- und Lärmemissionen, die bei diesem Recyclingprozess entstehen.

Erste Anlage dieser Art in Europa
Die Anlage, die ab Dezember 2020 in das MOAG-Werk Mörschwil erstellt wird, ist europaweit die erste ihrer Art. Die MOAG investiert dafür rund vier Millionen Franken. «In unseren Werken lagern grosse Mengen Ausbauasphalt. Diese können wir dank der neuen Brech- und Siebanlage deutlich effizienter wiederverwenden», sagt MOAG-­Geschäftsführer Markus Blum. In heutige Rezepturen für Mischgut könnten in Mörschwil rund 40 Prozent recyceltes Material eingebracht werden.

Weil das zurückgewonnene Material mit der neuen Brech- und Siebanlage einen höheren Reinheitsgrad hat, sollen künftig bis zu 75 Prozent davon nochmals für Mischgüter eingesetzt werden. «In einigen ­Jahren könnten sogar 80 bis 90 Prozent möglich sein», sagt Blum. Für die MOAG wie auch für die SBM Mineral Processing GmbH bedeutet der Einsatz der neuen Technologie einen Mehraufwand.

«Da dies die erste stationäre Anlage dieser Art ist, die wir installieren, wird die Feineinstellung etwas Zeit benötigen», sagt Mario Schweizer. Nach der Erstellung im Dezember steht für ihn in den Wochen danach die Abstimmung der Brech- und Siebanlage auf die bestehende Technik in Mörschwil im Zentrum.

Denn die Recyclinganlage wird vollumfänglich in den Produktions­prozess vor Ort integriert: Förderbänder transportieren das zurückgewonnene ­Material in vier Silos mit insgesamt 2500 Tonnen Kapazität oder wahlweise zu einer Lkw-Ladestation. Die Silos sind zudem mit der Mischanlage verbunden. Das bedeutet, dass das Material direkt dem Mischgutprozess zugeführt werden kann. «Es braucht also keine zusätzlichen Entladungen oder Transportfahrten», sagt Schweizer.

Mit ihrer Kapazität von 250 Tonnen pro Stunde ist die neue Brech- und Siebanlage zudem auch für die Hochsaison im Strassenbau bestens gerüstet, während der grosse Mengen Ausbauasphalt anfallen.

Reaktiviertes Bitumen schützt die ­Umwelt
Die Inbetriebnahme der neuen Anlage wird materialtechnisch eng begleitet. Diese Aufgabe übernimmt die Consultest AG, die auf Materialprüfung, Beratung und Qualitätssicherung im Bauwesen spezialisiert ist. «Wir werden in einem ersten Schritt die sekundären Rohstoffe nach ihrer Zusammensetzung analy­sieren», sagt Consultest-Geschäftsleiter Manfred Kronig.

In einem zweiten Schritt werde man normgerechte Mischgut­rezepte mit einem hohen Anteil von ­recycelten Materialien erstellen. Das ­Recycling von Ausbauasphalt sei insbesondere wegen des Bitumens «aus ökologischer Sicht hochinteressant», sagt Kronig. Die Gewinnung und Verarbeitung von Bitumen, das bei der Erdölraffinierung entsteht, sei sehr energieintensiv. «Dank moderner Recyclingtechnologien kann altes Bitumen reaktiviert werden, was deutlich umwelt- und energieschonender ist.»

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