Meringues für 150 Personen

Seit zwölf Jahren sammelt der ehemalige Gastronom Hugo Huber mit seinem Schulbus morgens die Kinder an ihren Wohnorten verstreut im Kanton Thurgau zusammen, bringt sie an ihre Förderschule in Fischingen und fährt die Kids am Nachmittag wieder nach Hause.

Interview: Jürg Aegerter

Hugo Huber, wie wird man vom Gastronomen zum Schulbusfahrer?
Es war kein Berufsziel. Ich suchte nach der Pensionierung eine Aufgabe. Und mit Kindern habe ich es immer gut.

Und was halten die Kinder von Ihnen?
Wir haben ein gutes Verhältnis, manchmal über Jahre. Regelmässig schenken mir die Kinder Selbstgebasteltes, zum Beispiel Schlüsselanhänger. Ein-, zweimal im Jahr backe ich Meringues für die ganze Schule mit über 150 Kindern und Erwachsenen.

Sie durchqueren täglich den Thurgau. Welches ist Ihre Lieblingsstrecke?
Mir gefällt es vor allem in Kalchrain auf dem Seerücken oberhalb von Frauenfeld. Wir wohnten lange in der Nähe. Ich liebe die Gegend und kenne die Strassen gut.

Was macht Schweizer Strassen Ihrer Meinung nach einzigartig?
Die Qualität der Strassen ist im Allgemeinen sehr gut. Die Baustellen lassen wir mal weg – die müssen sein.

Was stört Sie als Autofahrer?
Mich ärgert, dass 60 Prozent der Autofahrer nicht blinken, wenn sie abbiegen. Besonders schlimm ist das bei Kreiseln, weil es dort schnell mal gefährlich wird.

Oft sind Sie auch mit Ihrem schweren Motorrad unterwegs. Was unterscheidet den Töfffahrer vom Automobilisten Hugo Huber?
Den Unterschied macht das Gerät, das man «unter dem Füdli» hat. Mit dem Töff bevorzuge ich Nebenstrassen mit Hügeln und Kurven.

Hugo Huber, täglich auf den Strassen der Region unterwegs

Welche gefährliche Situation blieb Ihnen als Töfffahrer in Erinnerung?
Vor Jahren wurde ich auf dem Töff von einem Auto richtiggehend abgeschossen. Ich hatte Riesenglück und bin heil davongekommen. Daran denke ich oft.

Was bleibt Ihnen als Schulbusfahrer besonders in Erinnerung?
Einmal landete ein Rehbock auf der Windschutzscheibe. Alle Kinder weinten: zuerst, weil sie erschraken, und später, weil das Tier tot war. Ich rief Polizei und Wildhüter – und wir wurden dann alle von einem anderen Schulbus abgeholt. Wie lange fahren Sie noch Schulbus? Solange ich gesund bin und die Reaktion stimmt. Wir Schulbusfahrer machen Weiterbildungen und gehen regelmässig zum ärztlichen Check.